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2. Kapitel:

Die Entwicklung des Buddhismus

Nach dem Tod des Buddha Shakyamuni breitete sich die rasch über fast ganz Indien aus. Obwohl auf vier Konzilen versucht wurde, einer Aufsplitterung entgegenzuwirken, bildeten sich in den vierhundert Jahre vor unsere Zeitrechnung verschiedene Schulen heraus.
Etwa um die Zeitenwende entstand das Mahayana (skrt.; Großes Fahrzeug). Die frühen buddhistischen Schulen werden als Hinayana (skrt.; kleines Fahrzeug) bezeichnet. Im Hinayana strebt jeder Einzelne für sich die Erleuchtung an, wohingegen im Mahayana durch die meditative Praxis die Erlösung aller fühlenden Wesen angestrebt wird.

Vieles ist den beiden Hauptrichtungen gemeinsam: das Erkennen der Vier Edlen Wahrheiten, das Beschreiten des Achtfachen Pfades, die Einsicht in das Gesetz des bedingten Entstehens, die Lehre von der Leerheit (skrt. Shunyata) und das Befolgen des karmischen Gesetzes. Aber auch große Unterschiede. So geht das Hinayana davon aus, dass der Buddha nach seinem Tod für immer erloschen und daher nicht ewig sei.

Das Mahayana hingegen vertritt die Ansicht, der Buddha sei nicht der einzige Erleuchtete gewesen, es habe vielmehr frühere und werde auch zukünftige Buddhas geben. Diese Buddhas existieren in einer jenseitigen Welt außerhalb der Sechs Bereiche.
Weiterhin entstand die Lehre von den Drei Körpern (skrt.: Trikaya). Diese Lehre besagt, dass die Buddhas mit dem Absoluten eins sind und in der relativen Welt nur erscheinen, um allen fühlenden Wesen zu helfen.



Unter den Drei Körpern der Buddhas versteht man:

Buddhismus, Glückssymbole, Mandalas1. Dharmakaya (skrt.; Wahrheitskörper)
Im Dharmakaya sind die Buddhas eins mit Allem, was existiert. Sie sind jenseits der Zeit, ohne Anfing und ohne Ende, unterliegen somit keiner räumlichen Begrenzung.

2. Sambhogakaya (skrt.; Körper der Freude)
Im Sambhogakaya weilen die Buddhas in den "Reinen Ländern", das sind die buddhistischen Paradiese. Buddha Amitabha zum Beispiel hält sich in seinem Paradies mit Namen Sukhavati auf.

3. Nirmanakaya (skrt.; Formkörper)
Im Nirmanakaya erscheinen die Buddhas in ihrer irdischen Form, so wie Buddha Shakyamuni oder Maitreya, der zukünftige Buddha. Er wartet in seinem Paradies Tushita auf seine Wiedergeburt auf der Erde, die in etwa 30 000 Jahren erwartet wird.


Das Mahayana entwickelte sich weiter, und etwa im 5. Jahrhundert u.Z. entstand das Vajrayana (skrt.; Diamant-Fahrzeug). Dies ist die tantrische Form des Buddhismus. Die Praktiken des Tantra gelten als der schnellste Weg zur Erleuchtung. Seine Lehren können aber auch missbraucht werden. Ihre Inhalte sind daher geheim und dürfen nur von einem Meister auf den Schüler übertragen werden. Da in der meditativen Praxis des Vajrayana das Rezitieren heiliger Silben (skrt.: Mantras) gebräuchlich ist, nennt man es auch Mantrayana.
buddhistisches Pferd

Der Buddhismus erreicht das tibetische Hochland

Im 7. Jahrhundert u.Z. fand die Lehre des Buddhismus ihren Weg nach Tibet.
Dort herrschte zu jener Zeit ein König namens Songesen Ganpo. Er spürte eine große Anziehung zur Lehre Buddhas, aber die Lehre blieb nur auf den Bereich des königlichen Hofes beschränkt. In den unendlichen Weiten des Schneelandes hingen die Menschen weiterhin den Riten des Bön an.
Die Bönpriester waren Schamanen, deren Aufgabe es war, Bestattungsriten durchzuführen, Rituale für eine gute Ernte oder die Gesundheit der Menschen auszuüben und lokale Götter, Geister und Dämonen freundlich zu stimmen.

Im 8. Jahrhundert u.Z., zur Herrschaftszeit des Königs Trisong Desen, kam Padmasambhava von Indien nach Tibet. Padmasambhava bedeutet übersetzt der "Lotusgeborene", er wird von den Tibetern auch liebevoll Guru Rinpoche (tib.: kostbarer Lehrer) genannt. Es heißt, er habe die Dämonen des alten Tibet gebannt und für den Buddhismus dienstbar gemacht. Er integrierte Elemente des Bön in seine tantrische Lehre und gründete 799 das Kloster Samye. Hier wurden die ersten Tibeter zu Mönchen ordiniert.



Die Entwicklung der vier großen Richtungen

Die älteste tibetisch-buddhistische Schule beruft sich auf Padmasambhava. Sie wird Nyingmapa genannt (tib.: die Schule der Alten). Es gab zwar kleinere klösterliche Strukturen, aber die meisten Nyingmapas waren Laienanhänger. Sie beriefen sich auf Schriften, die von Padmasambhava und den Mönchen Vimalamitra und Vairochana von Indien nach Tibet gebracht wurden.
Padmasambhava hatte zu seinen Lebzeiten einige Schriften in Höhlen versteckt, die dann in späteren Zeiten von anderen Meistern wieder gefunden wurden. Zu diesen Schriften zählt auch das Tibetische Totenbuch (tib.; Bardo Thödol).

Die zweite große Richtung ist die Schule der Kagyü (tib.: mündliche Überrragungslinie). Sie wurde im 11. Jahrhundert von Marpa, dem "Übersetzer" begründet. Marpa hatte die Lehren von Naropa in Indien erhalten und mit nach Tibet gebracht. Marpas bedeutendster Schüler war Milarepa. Er verwirklichte die Erleuchtung in jahrelanger Zurückgezogenheit und strenger Askese. Ihm werden auch die "Tausend Gesänge" zugeschrieben, eines der größten Werke der Weltliteratur.

Die Sakyapa ist die dritte große Schule. Ihr Name geht auf das 1073 gegründete Kloster Sakya (skrt.: graue Erde) zurück. Die Mönch Ordens widmeten sich vor allem dem Studium einer Reihe von Vajrayanatexten, bekannt unter dem Namen "Weg und Ziel" (tib.: Lamdre).

Die vierte Hauptrichtung ist die Schule der Gelugpa (tib.: die Tugendhaften). Die Entstehung dieses Ordens geht auf den indischen Atisha zurück. Er führte in Tibet das strenge klösterliche Leben ein und bestand auf dem eingehenden Studium der Mahayanatexte, bevor er Einweihungen in die tantrische Praxis gab.
Legen die Schulen der Gelugpa und Sakyapa größten Wert auf klösterliche Disziplin und ausgiebiges Studium buddhistischer Texte, sind die Nyingmapa und Kagyüschulen eher auf die tantrische Praxis ausgerichtet. Alle vier Hauptschulen bestehen bis zur heutigen Zeit und sind auch im Westen vertreten.



Buddhismus, Glückssymbole, MandalasLesen Sie online:
• Vorwort
1. Kapitel - Das Leben des Buddha Shakyamuni
2. Kapitel - Die Entwicklung des Buddhismus
im Buch:
• 3. Kapitel - Einführung in die Meditation
• 4. Kapitel - Die Bedeutung der 14 Buddha-Karten
• 5. Kapitel - Meditationsvorschläge mit mehreren Karten
• 6. Kapitel - Die acht Glückssymbole
• 7. Kapitel - Die 22 Karten und ihr Gebrauch als Orakelspiel


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